Die Idee
Im Landkreis Freudenstadt konnten die Verkehrsunfälle mit Personenschaden von 470 im Jahr 1992 auf im Durchschnitt 410 in den Jahren 2002 bis 2006 zwar reduziert werden, jedoch waren junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren weit überdurchschnittlich an diesen schweren Unfällen beteiligt. Während der Bevölkerungsanteil dieser Altersgruppe nur rund 8 % ausmacht, lag ihr Anteil an den im Straßenverkehr tödlich Verunglückten bei 31 % und zum Teil darüber. Dabei waren die jungen Männer weitaus stärker vertreten als Frauen. Diesen hohen Anteil zu reduzieren ist ein Ziel des Schutzengel-Projektes.
Auffallend im Landkreis Freudenstadt ist auch bei der Auswertung der Kriminalstatistiken der Jahre 2002 bis 2006, dass bei den Körperverletzungsdelikten der Anteil der Täter im Alter zwischen 14 und 21 zwischen 27, 5 und 35,5 Prozent liegt. Auch hier ist eine große Diskrepanz zwischen Täter- und Bevölkerungsanteil.
Ein Blick auf die Struktur unseres Landkreises zeigt, dass auf einer großen Fläche relativ wenig Menschen wohnen. Mit einer Bevölkerungsdichte von nur 76 Einwohnern je qkm liegt der Landkreis deutlich unter dem Landes- oder Bundesdurchschnitt. Das Straßennetz kann nicht als optimal bezeichnet werden. Individuelle Mobilität mit dem Auto ist deshalb auf dem Lande fast ein Muss. Gerade junge Menschen nehmen zur Befriedigung ihrer Freizeitinteressen oft weite Wege in Kauf. Leider spielen bei dieser Altersgruppe Unerfahrenheit, Selbstüberschätzung, Unkenntnis über die eigenen Fähigkeiten, aber auch der Einfluss von Alkohol und anderen Drogen eine verhängnisvolle Rolle.
In Gruppen kommt dann noch das "sich und anderen etwas beweisen wollen" hinzu. Diverse Studien belegen, dass die Mädchen und jungen Frauen dieser Altersgruppe vernünftiger sind, als das vermeintlich starke Geschlecht. Sie sind auch sehr viel seltener an schweren Verkehrsunfällen beteiligt, bei denen in den Jahren 2002 bis 2006 hier im Landkreis 25 junge Menschen ums Leben kamen - das entspricht einer ganzen Schulklasse!
Der im Landkreis Freudenstadt seit 1994 befindliche Arbeitskreis hat sich vorgenommen neben Verhaltensänderungen auf der rationalen Ebene auch die emotionalen Bedürfnisse zu nutzen, um zu einem angepassten und verantwortungsbewussten Verhalten im Verkehr und in der Gesellschaft zu gelangen.
So soll der unbestreitbar enorme Einfluss junger Frauen auf die Männer genutzt werden.
Sie sehen die jungen Fahrer meist bei Feiern, Veranstaltungen und anderen Gelegenheiten oftmals als Letzte vor dem Fahrtantritt und können eventuell noch auf sie einwirken: "Ich mag dich gern, aber nicht, wenn du besoffen oder bekifft fährst!" Sie können damit Leben retten. Dies gilt auch in Gewalt anbahnenden Auseinandersetzungen.
